Die Tarifrunde 2025/2026 zum Tarifvertrag der Länder (TV-L) hat in Bayern eine beeindruckende Mobilisierung ausgelöst. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Bayern hat gemeinsam mit ver.di und den weiteren DGB-Gewerkschaften in den vergangenen Wochen zu mehreren Warnstreiks aufgerufen – und die Kolleginnen und Kollegen haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Blockadehaltung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nicht länger hinnehmen.
Hintergrund: Die Forderungen der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften fordern in der laufenden Tarifrunde sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro mehr pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzu kommen höhere Zuschläge für Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit sowie deutliche Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen. Für die GdP ist darüber hinaus die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten sowie die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger von zentraler Bedeutung.
Die TdL legte in der zweiten Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar 2026 lediglich vage Eckpunkte vor: Entgelterhöhungen leicht über der Inflationserwartung in drei Schritten, verteilt auf die Haushaltsjahre 2026 bis 2028, bei einer Laufzeit von 29 Monaten. Insgesamt hätte dies laut Arbeitgeberseite einer Steigerung von rund fünf Prozent entsprochen – ein Angebot, das die Gewerkschaften als völlig unzureichend zurückwiesen. GdP-Tarifvorstand Christian Ehringfeld und für euch direkt am Verhandlungstisch anwesend stellte klar: „Wir erwarten in der dritten Tarifrunde im Februar deutlich mehr auf den Tisch.“
Warnstreik in Würzburg – Der Auftakt in Unterfranken
Den Startschuss der GdP-Warnstreikwelle in Bayern setzte die GdP in Würzburg. Dort riefen wir die Tarifbeschäftigten des Polizeipräsidiums Unterfranken und der III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg zum Warnstreik auf. Gemeinsam mit ver.di und unseren Schwestergewerkschaften im DGB, gingen die Kolleginnen und Kollegen auf die Straße, um ein deutliches Signal in Richtung TdL zu senden. Am GdP-Bus konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Streiklisten eintragen und mit Demonstrationsmaterial – Westen, Trillerpfeifen und Fahnen – ausrüsten.
Parallel fanden in Würzburg auch Warnstreikaktionen im Bereich der Universitätsklinika und der Hochschulen statt. Im Rahmen des Branchenstreiktags im Gesundheitswesen legten Beschäftigte des Universitätsklinikums Würzburg vom 26. bis 28. Januar die Arbeit nieder, mit einem Demonstrationszug und einer Kundgebung am Vierröhrenbrunnen. Die gemeinsame Präsenz von Polizeibeschäftigten, Klinikpersonal und Hochschulmitarbeitenden unterstrich die breite Unzufriedenheit quer durch alle Bereiche des öffentlichen Dienstes.

Warnstreik in Passau – Niederbayern zeigt Präsenz
Am 28. Januar 2026 rief die GdP Bayern alle Tarifbeschäftigten des Polizeipräsidiums Niederbayern, des Polizeiverwaltungsamtes Straubing und der ZBS Viechtach zum Warnstreik in Passau auf. Unter dem Motto „Löhne rauf – sonst zahl’ ich drauf!“ versammelten sich die Streikenden ab 10 Uhr an der Innwiese nahe der Universität Passau. Die anschließende Kundgebung fand am Klostergarten statt.
Auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte waren aufgerufen, sich in ihrer Freizeit solidarisch zu zeigen. Ebenso waren Rentnerinnen und Rentner sowie Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger eingeladen, sich dem Protest anzuschließen. Denn die GdP setzt sich konsequent dafür ein, das Tarifergebnis 1:1 auf Beamte und Pensionäre zu übertragen. Die Beteiligung in Passau war stark und zeigte, dass auch im ländlichen Raum die Bereitschaft zum Engagement hoch ist.

Warnstreik in Regensburg – Oberpfalz macht mobil
Am 2. Februar 2026 folgte der nächste Warnstreik in Regensburg. Die GdP Bayern rief alle Tarifbeschäftigten des Polizeipräsidiums Oberpfalz sowie der VII. Bereitschaftspolizeiabteilung mit ihren Standorten Sulzbach-Rosenberg und Nabburg zum gemeinsamen Warnstreik auf. Zeitgleich fand eine große gemeinsame Kundgebung mit ver.di auf dem Gelände des kommunalen Verkehrsbetriebs in der Markomannenstraße statt, an der sich rund 400 Beschäftigte beteiligten – 200 aus dem Nahverkehr (Stadtwerke Regensburg, Landshut und Passau) und weitere 200 Beschäftigte des Freistaats Bayern, darunter Kolleginnen und Kollegen vom Universitätsklinikum, den Straßenmeistereien, der Universität, den Flussmeistereien, dem Studierendenwerk, der OTH und der Polizei.

München: Bayernweiter Warnstreik auf dem Odeonsplatz – Die Krönung
Den Höhepunkt der bisherigen Warnstreikaktionen bildete der bayernweite Warnstreik am 10. Februar 2026 auf dem Odeonsplatz in München. Die GdP Bayern rief alle Tarifbeschäftigten der bayerischen Polizeipräsidien zum Warnstreik auf – ausgerufen vom 10. Februar, 00:00 Uhr bis 11. Februar, 06:00 Uhr. Reisebusse aus sämtlichen Regionen Bayerns machten sich auf den Weg in die Landeshauptstadt, allein die GdP Unterfranken reiste mit gut 80 Teilnehmern an.
Die Demonstration startete um 10:30 Uhr mit einem Aufzug durch die Münchner Innenstadt, gefolgt von der Abschlusskundgebung ab 11:30 Uhr auf dem Odeonsplatz. Gemeinsam mit ver.di und den weiteren DGB-Schwestergewerkschaften kamen insgesamt rund 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen – eine beeindruckende Menschenmasse, die die Forderungen lautstark skandierte. Auf selbst gebastelten Demoschildern waren Sprüche wie „Löhne rauf – sonst zahl’ ich drauf!“ zu lesen.
Die GdP betonte in ihrem Aufruf zum Münchner Warnstreik: „Auf den Warnstreiks in Würzburg, Passau und Regensburg habt Ihr bereits bewiesen, wie viele wir sein können und dass ihr mit der bisherigen Blockadehaltung der Arbeitgeber nicht zufrieden seid.“ Der Odeonsplatz in München wurde zum eindrucksvollen Beweis dieser Aussage.

Von München direkt nach Potsdam – Die GdP Bayern am Verhandlungsort
Kaum war die Abschlusskundgebung auf dem Odeonsplatz beendet, ging es für eine rund 50-köpfige Delegation der GdP Bayern bereits weiter: Mit Kleinbussen machten sich die Kolleginnen und Kollegen direkt von München auf den Weg nach Potsdam, wo am 11. Februar 2026 die dritte und entscheidende Verhandlungsrunde der TV-L-Tarifrunde startete. Ein klares Statement: Die GdP Bayern lässt nicht locker und trägt den Protest dorthin, wo die Entscheidungen fallen.
In Potsdam schloss sich die bayerische Delegation der großen Warnstreikdemonstration an, die um 9:30 Uhr am Lustgarten startete und durch die Breite Straße und die Zeppelinstraße bis zum Kongresshotel „Am Templiner See“ am Luftschiffhafen zog – genau dorthin, wo zeitgleich die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der TdL stattfanden. Mehrere tausend Beschäftigte aus Berlin, Brandenburg und ganz Deutschland beteiligten sich an der Demonstration. Bei der Abschlusskundgebung ab 11:45 Uhr direkt vor dem Kongresshotel sprachen unter anderem der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke und GdP Bundestarifvorstand Christian Ehringfeld.
Für die 50 Kolleginnen und Kollegen der GdP Bayern war die Fahrt von München nach Potsdam mehr als nur eine lange Reise – sie war Ausdruck der Entschlossenheit, den Arbeitgebern der TdL unmissverständlich klarzumachen: Die bayerischen Polizeibeschäftigten stehen Seite an Seite mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet. Und sie werden nicht aufhören, für faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Ausblick: Jetzt ist der Arbeitgeber am Zug
Die dritte Verhandlungsrunde startete am 11. Februar 2026 in Potsdam. Die Gewerkschaften haben unmissverständlich klargemacht, dass sie zu weiteren Eskalationsschritten bereit sind, sollte die TdL kein abschlussfähiges Angebot vorlegen.
Für die GdP Bayern steht fest: Die Tarifbeschäftigten bei der Polizei leisten jeden Tag unverzichtbare Arbeit für die innere Sicherheit. Sie verdienen eine angemessene Bezahlung und ordentliche Arbeitsbedingungen. Ebenfalls muss das Tarifergebnis 1:1 auf die Beamtinnen und Beamten sowie die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger übertragen werden – verzögerte Umsetzungen sind nicht akzeptabel.

— Ticker — Neuigkeiten aus Potsdam
In diesem Absatz werden regelmäßig Neuigkeiten aus Potsdam übermittelt:
- Donnerstag, 12.02.2026, 17.00 Uhr: Zum derzeitigen Stand gibt es keine Neuigkeiten aus Potsdam. Die Verhandlungen sind in vollem Gang.
- Freitag, 13.02.2026, 01.13 Uhr: Die Verhandlungen wurden für heute beendet. Ab 9 Uhr wird weiterverhandelt.
- Freitag, 13.02.2026, 18.10 Uhr: Nach drei Tagen kommt endlich etwas in Bewegung in unsere Tarifverhandlungen! Die Arbeitgeberseite hat erkannt, dass sie liefern müssen! Es bleibt spannend und es kann eine lange Nacht werden.
- Samstag, 14.02.2026, 09.30 Uhr: Kurzzusammenfassung des Ergebnisses: Die Gehälter werden in mehreren Schritten angehoben, das erste Mal am 1. April um 2,8%, mindestens 100€, danach am 1. März 2027 um 2% und zum 1. Januar 2028 um 1%. Der Tarifvertrag wäre bis zum 31.01.2028 gültig.
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