Viele haben es bereits am Samstag aus den Medien erfahren. Anbei erhaltet ihr von mir nochmals die Tarifeinigung von Samstagvormittag. Diese Einigung lautet im Detail:
- 01.04.2026: +2,8 %, mindestens 100 € Erhöhung der Bezüge
- 01.03.2027: +2,0 % Erhöhung der Bezüge
- 01.01.2028: +1,0% Erhöhung der Bezüge
Zusatzbestandteile:
- Erhöhung der Schichtzulage von 40 € auf 100 €
- Erhöhung der Wechselschichtzulage von 105 € auf 200 €
- Diese Erhöhungen sind wirksam zum 01.07.2026
Laufzeit des Tarifvertrags:
- 27 Monate: 01.11.2025 – 31.01.2028
- Verhandlungen zum nächsten Tarifvertrag ab 01.02.2028 möglich
Auszubildende:
- 01.04.2026: Erhöhung der Bezüge um 60€
- 01.03.2027: Erhöhung der Bezüge um 60€
- 01.01.2028: Erhöhung der Bezüge um 60€
Die letzten vier Tage in Potsdam waren definitiv keine leichten Verhandlungen. Die Arbeitgeberseite aufseiten der TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) war ausschließlich zu harten Kompromissen bereit, wobei vorwiegend die Laufzeit für die Bundesländer ein wichtiges Thema war, wovon diese zu keinem Zeitpunkt der Verhandlungen abrücken wollte. Es wurde diskutiert und an die Arbeitgeber appelliert, dass in der momentanen Weltlage eine kürzere Laufzeit für uns als Beschäftigte wichtig ist, um bei nochmaliger hoher Inflation schnell reagieren zu können. Leider ist man hier nur auf Granit gestoßen, auch auf Verweis auf die leeren Kassen in den Bundesländern und der dazugehörigen schwierigen Haushaltsplanung.
Auch bei den Prozentpunkten war mit den Arbeitgebern nur auf Basis der Prozentpunkte des TVöD (Tarifvertrag Bund und Kommunen) zu reden. Ein Zugeständnis der Arbeitgeber, dass viele Beschäftigte in Ballungsräumen unter immer steigenden Mieten ächzen, war hier den Arbeitgebern nicht abzutrotzen. Diskutiert und argumentiert hat man meist bis 2 Uhr früh, von Freitag auf Samstag sogar bis 5 Uhr früh. Auch eine rückwirkende Zahlung der nun entstandenen Monate November 2025 bis März 2026 wurde vehement verneint, da diese die bereits genehmigten Haushalte der Bundesländer angeblich sprengen würde.
Einziges Zugeständnis war die Erhöhung der Schichtzulagen für Schicht- und Wechselschichtarbeit auf 100 und 200€.
Die zentrale Frage, die wir uns stellen müssen: Reicht das aus, um die Kaufkraft zu sichern?
Die Inflationsrate in Deutschland lag im Januar 2026 bei 2,1 Prozent. Die Deutsche Bundesbank prognostiziert eine Inflationsrate von 2,2 Prozent für das Jahr 2026 und etwa 2 Prozent für die Jahre 2027 und 2028.
Rechnet man diese Zahlen gegen unsere Erhöhungen, ergibt sich folgendes Bild: Die erste Stufe von 2,8 Prozent im April 2026 liegt über der erwarteten Inflation. Rechnet man die 5 Monate ohne Erhöhung mit ein, ist es ein klein wenig mehr als die erwartete Inflation im Jahr 2026. Die zweite Stufe von 2,0 Prozent im März 2027 bewegt sich etwa auf Inflationsniveau. Die dritte Stufe von 1,0 Prozent im Januar 2028 liegt dabei unter der erwarteten Inflationsrate. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass ab Februar 2028 die nächste Tarifrunde ansteht.
Kleine Erfolge
Neben der Entgelterhöhung konnten wichtige strukturelle Verbesserungen durchgesetzt werden. Schichtzulagen steigen auf bis zu 200 € monatlich. Die Regelungen zu Überstunden bei Schicht- und Wechselschichtarbeit wurden verbessert – künftig können auch Teilzeitbeschäftigte im Schichtdienst zuschlagspflichtige Überstunden geltend machen.
Was wir nicht erreicht haben – die stufengleiche Höhergruppierung
Hier müssen wir offen mit euch sein: Die stufengleiche Höhergruppierung kommt nicht. Die Arbeitgeber lehnten die gewerkschaftliche Forderung rigoros ab.
Wie bereits in den vergangenen Einkommensrunden hat die TdL weitere wichtige Verbesserungen wie die stufengleiche Höhergruppierung blockiert.
Was bedeutet das für euch? Im TVöD bei Bund und Kommunen wurde die stufengleiche Höhergruppierung bereits 2019 eingeführt. Im TV-L fehlt sie weiterhin. Das heißt: Wer bei einer Höhergruppierung – etwa nach bestandener Qualifizierung oder bei Übernahme höherwertiger Tätigkeiten – in eine höhere Entgeltgruppe wechselt, wird nicht automatisch der gleichen Stufe zugeordnet, sondern der Stufe, in der mindestens das bisherige Entgelt erreicht wird (inklusive einem kleinen Garantiebetrag). Das kann einen Stufenrückfall bedeuten und langfristig erhebliche finanzielle Nachteile mit sich bringen.
Die TdL wollte in Bezug auf die stufengleiche Höhergruppierung nur darüber reden, wenn zukünftig jeder Arbeitsvorgang in einer Tätigkeitsbeschreibung einzeln betrachtet wird. Das würde bedeuten, dass die Eingruppierung für viele Neueinstellungen schlechter ausfallen wird, als für Kolleginnen und Kollegen, welche schon länger dieselbe Tätigkeit ausüben. Aus meiner Sicht ein No-Go, weswegen man schweren Herzens darauf verzichten musste. Ich halte diese Thematik für notwendig und kann mir nicht erklären, warum die TdL hier wieder keinen Millimeter reden möchte. Auch viele Dienststellenleiter in Personalabteilungen in ganz Deutschland sehen dies so und würden dies umsetzen wollen, werden aber offenbar durch Finanzminister in der TdL ausgebremst.
Wir werden uns selbstverständlich weiter dafür einsetzen. Aber wir werden euch nichts vormachen: Die Arbeitgeberseite hat sich hier komplett verweigert. Das ist enttäuschend und bleibt weiter eine offene Forderung für die kommenden Tarifrunden.
Fazit
Die Gewerkschaften stellten allesamt klar, dass es sich um einen sehr harten Kompromiss handelt, bei dem nicht sämtliche Forderungen realisiert werden konnten. Zugleich ist die Erhöhung der Schichtzulagen für die Kolleginnen und Kollegen im Schichtdienst ein kleiner Erfolg und aus meiner Sicht endlich eine angemessene Zulage. Ich hoffe sehr, dass sich im Jahr 2028 die finanzielle Situation der Bundesländer deutlich verbessert, um endlich auch über die Wochenarbeitszeit, ein deutlicheres Plus im Geldbeutel und die Angleichung des Urlaubs im Gegensatz zum TVöD sprechen zu können. Eine solch deutliche Blockadehaltung zeigt nicht wirklich von Wertschätzung gegenüber den eigenen Beschäftigten und enttäuscht schon sehr, wenn man kategorisch so gut wie jeden vernünftigen Vorschlag ablehnt und nicht darüber sprechen möchte.
Ich habe viele Kommentare gelesen, in denen geschrieben wurde, man solle weiterstreiken und die Verhandlungen platzen lassen. Dies wäre natürlich im Bereich des Möglichen. Hier muss man aber immer das Für und Wider in Relation setzen und das Gesamtbild im Auge behalten. Es besteht in solch einer Situation die Gefahr, dass es für sehr lange Zeit keinen neuen Tarifvertrag gibt und je nach Beteiligung an den Streikmaßnahmen eine Einigung deutlich schlechter als die jetzige ausfällt. Wär das für den ein oder anderen Geldbautel im Tarifbereich verkraftbar? Haben wir die Schlagkraft im gesamten öffentlichen Dienst, um die Arbeitgeber mit Streiks zu beeindrucken? Ich bin mir sicher, dass die Bundestarifkommissionen der Gewerkschaften dies sehr sensibel geprüft haben und die Kolleginnen und Kollegen dort zu dem Schluss gekommen sind, auch aufgrund der hartnäckigen Blockadehaltung der TdL, dass dies insgesamt zu riskant gewesen wäre.
Meine erste Reaktion am Samstag war: Es ist kein Ergebnis, das Jubel auslöst, aber es ist auch nicht grottenschlecht. Auch wenn wir alle mehr erwartet haben, um die Herausforderungen im Ballungsraum München meistern zu können. Die Inflation wird voraussichtlich über die Laufzeit ausgeglichen (hoffen wir, dass weitere Krisen dies nicht verschärfen), strukturelle kleine Verbesserungen wurden erreicht, und der Anschluss an den TVöD ist einigermaßen gewahrt.
An die TdL und ihre Mitglieder sei gerichtet: Es kann so nicht weitergehen, wenn der öffentliche Dienst der Länder nicht den Anschluss an Bund und Kommunen verlieren will und ein attraktiverer Arbeitgeber werden möchte. Die stufengleiche Höhergruppierung und echte Entlastungen müssen endlich für die Beschäftigten spürbar sein. Eine weitere Blockadehaltung würde das strukturelle Problem im Länderberich weiter verschärfen. Durch die nicht stufengleiche Höhergruppierung scheuen sich jetzt schon Tarifbeschäftigte, anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen, da man es kaum im Geldbeutel spürt. Und die, die es tun, sind oft maßlos enttäuscht über die finanzielle „Wertschätzung“ ihnen gegenüber.
Wir werden auch nächstes Mal wieder auf diese Probleme hinweisen, denn die Probleme sind weiter da und wurden nur vertagt, aber nicht gelöst. Sinnvolle Lösungsvorschläge wurden durch die Gewerkschaften aufgezeigt. Handeln von Seiten der TdL ist dringend erforderlich, bevor es zu spät ist!
Ich danke allen recht herzlich für eure Unterstützung in den vergangenen Wochen!
Andreas Bauer
Stellvertretender Vorsitzender Tarif der BG München